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Dr. Pielsticker

Mediation

Konflikte kreativ lösen - Zeit und Geld sparen!

von Dr. Dietrich Pielsticker Rechtsanwalt, Notar, Mediator, Berlin

Können Gerichte Konflikte interessengerecht, zeitnah und kostengünstig lösen? Und kann man das in einer sich zunehmend ändernden Unternehmens- und Arbeitswelt überhaupt verlangen?

Unsere moderne Industriegesellschaft wird immer weniger von der Nachfrage, aber immer mehr von Angeboten bestimmt, was Innovation, Kreativität und permanente Erneuerung erfordert. Dies verlangt die Fähigkeit, bisher bekannte Entscheidungsprozesse in Frage zu stellen und weitgehend selbständig und unabhängig kreative Lösungen für ein aktuelles Problem zu finden. Warum soll das nicht auch für die Lösung von juristischen Konflikten gelten?

Die Erfahrungen mit Konflikten erinnern selten an kreative und innovative Lösungen. Mitarbeiterkonflikte, Konflikte zwischen Unternehmen oder private Streitigkeiten enden fast immer bei den Gerichten. Dort fühlt man sich selten verstanden und schließt oft aus Frustration nach einigen Jahren und hohen Kosten einen Vergleich, mit dem man doch unzufrieden ist.

Anders bei der Mediation: Die Mediation basiert auf dem Gedanken, dass man sich immer dann einigen kann, wenn man die Interessen und Beweggründe des anderen versteht. Da die Beteiligten ihren Konflikt am besten kennen, sie am besten wissen, welche Interessen sie haben, und auch am besten beurteilen können, welche Lösung für sie sinnvoll ist, sollten sie an dem Lösungsprozess nicht nur beteiligt sein, sondern ihn bestimmen. Da dies nicht alleine möglich ist, wird die Mediation von einem Mediator geleitet, der gut ausgebildet und erfahren sein sollte.

Die Vorteile der Mediation sind: Kosten-, Zeitersparnis, selbst bestimmter Beginn des Lösungsprozesses, Vertraulichkeit, Einigung mit beiderseitigem Nutzen, Dauerhaftigkeit der Einigung, Umsetzung der Einigung, Fortbestand der geschäftlichen oder persönlichen Beziehung. Wer würde diese Vorteile im Zusammenhang mit einem Gerichts- oder Schiedsverfahren nennen?

Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren. Die Parteien müssen dabei über ihre Rechte informiert sein, d.h. in vielen Fällen auch anwaltlich beraten werden, und sie müssen lösungsoffen sein.

Der Mediator ist neutral und unparteiisch. Mit ihm werden in einem Vorgespräch Konfliktgegenstand und Verfahrensablauf besprochen.

Der Mediator führt die Parteien durch das anschließende Mediationsverfahren, das mit einer Vereinbarung endet.

Jede Partei erhält ausreichend Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge und ihre Interessen darzulegen. Sie dazu zu bewegen, ist die vornehme Pflicht und die Kunst des Mediators. Denn nur so wird „das Eis gebrochen" und die Parteien beginnen, den anderen zu verstehen. Das ist der erste Schritt zur Einigung, zu einer Lösung, die für beide Parteien einen Nutzen bringen soll. Die Einigung wird vertraglich festgehalten. Wird sie notariell beurkundet und mit einer Vollstreckungsklausel versehen, hat sie den gleichen Wert wie ein gerichtliches Urteil.

Die Kosten der Mediation teilen sich die Parteien. Häufig wird ein Stundensatz vereinbart.

Anwendungsgebiete der Mediation liegen im unternehmerischen Bereich, u.a. bei Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Geschäftsleitung Betriebsrat, Gesellschaftern und Partnern, mit Geschäftspartner, Herstellern, Handwerkern, Lieferanten, mit anderen Unternehmen, aber auch im privaten und öffentlichen Bereich, z. B. bei Ehe-, Familie- und Erbkonflikten und bei öffentlichen Planungsverfahren.

Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 80 % der Mediationsverfahren mit einer Einigung enden. So werden hohe Kosten eingespart. Gerichtskosten und weitere Beraterkosten entfallen. Man spart viel Zeit, da sich die Mediation nicht über mehrere Jahre hinzieht. Die Parteien bestimmen selbst, wann sie mit der Mediation und ihre Konfliktlösung beginnen. Zudem kann die Vertraulichkeit des Verfahrens gesichert werden.

Da die Parteien die Lösung für ihren Konflikt selber finden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Einigung dauerhaft ist und die eingegangenen Verpflichtungen erfüllt werden. Die Erfahrung der Einigung macht es den Parteien auch leicht, wieder in eine gemeinsame geschäftliche oder persönliche Zukunft zu blicken. Geschäftskontakte bleiben erhalten, persönliche Beziehungen werden fortgesetzt, die durch einen Gerichtsprozess oftmals dauerhaft zerstört werden.

Die Mediation ist sicher kein Allheilmittel. Sie ist auch nicht für alle Konflikte geeignet. Droht z.B. eine Forderung zu verjähren, muss der Gerichtsweg beschritten werden. Hier ist nach wie vor anwaltlicher Rat wichtig!

Die großen Chancen der Mediation sind in großen Unternehmen mittlerweile bekannt. Der Mittelstand tut sich hier noch schwer, obwohl gerade dort kreativ, innovativ und flexibel gedacht wird. Diese Unkenntnis ist bei den vielen Vorteilen der Mediation unverständlich und wahrscheinlich nur auf die mangelnde Erfahrung und die geringe Berührung mit der Mediation zurückzuführen. Prüfen Sie Ihre Berater.

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