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Bundeskanzlerin Merkel will Jung und Alt nicht gegeneinander aufscheuchen
Deutschland darf keine Rentnerdemokratie werden
Von Dr. Ingo Brauner Psycholinguist und europaweit tätiger Lehrer für Mental-Coaching
Bundeskanzlerin Merkel will Jung und Alt nicht gegeneinander aufscheuchen
Deutschland darf keine Rentnerdemokratie werden
Von Dr. Ingo Brauner Psycholinguist und europaweit tätiger Lehrer für Mental-Coaching
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich beim Auftakt der ARD-Themenwoche Mehr Zeit zu leben - Chancen einer alternden Gesellschaft optimistisch, dass der demografische Wandel positiv gestaltet werden kann.
Vor wenigen Tagen beschwor Alt-Bundespräsident Roman Herzog die Gefahr einer Rentnerdemokratie und warnte davor, „dass die Älteren die Jüngeren ausplündern". Dem widersprach die Bundeskanzlerin ihrer Rede vor 150 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im ARD-Hauptstadtstudio aber energisch.
In Ihrer Rede verteidigte die Bundeskanzlerin auch die umstrittene geplante Rentenerhöhung, das gesetzliche Rentensystem sowie das System der privaten zusätzlichen Förderung kapitalgedeckter Renten über die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge.
„Wir sind in Deutschland in einer Situation, in der wir im europäischen Vergleich ziemlich präzise den demografischen Wandel in unserem Alterssicherungssystem wiedergeben. Mit der so genannten Riester-Rente haben wir ein gutes System der privaten zusätzlichen Förderung kapitalgedeckter Rente. Es gibt eine gute Tradition betrieblicher Renten. In diesem Dreiklang mit der gesetzlichen Rente sehen wir die einzige Möglichkeit, im Alter eine Sicherung des Lebensstandards zu schaffen“, sagte die Bundeskanzlerin.
Außerdem habe sich ja die Bundesregierung entschieden, in diesem Jahr die Sozialversicherungsfreiheit der Beträge zu erhalten, die man zur so genannten Entgeltumwandlung verwendet, das heißt also der Gehaltsbestandteile, die man für die private Rentenversicherung anlegt, so die Bundeskanzlerin.
Schließlich habe die Bundesregierung aber auch mit den verbesserten Rahmenbedingungen zur Riester-Förderung zum Jahresanfang 2008 und der geplanten Einbeziehung des Wohneigentums in die Riester-Förderung, dem so genannten Wohn-Riester, etwas für die Jüngeren getan, argumentierte Merkel. Zum so genanten Wohn-Riester fänden gerade die Gesetzesberatungen statt, meinte die Bundeskanzlerin.
Eine Vielzahl von Maßnahmen zielten darauf ab, den Jüngeren die Möglichkeit zu eröffnen, ihre Alterssicherung zu verbessern, so die Bundeskanzlerin. „Wir haben uns dazu entschieden, diesen Schritt freiwillig anzubieten und niemanden in ein neues Sozialsystem zu zwingen. Aber wir sind der Überzeugung, dass wir jedem Anreize bieten sollten, dies auch in Anspruch zu nehmen“, meinte die Bundeskanzlerin.
Auf der anderen Seite müssten die Rentner die volle Mehrwertsteuererhöhung tragen, den vollen Pflegeversicherungsbeitrag bezahlen, weil sie keinen Arbeitgeber mehr haben, der den hälftigen Beitrag übernehmen.
Außerdem würden Rentnerinnen und Rentner nicht von der Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages 6,5 auf 3,3 Prozent profitieren.
Hinzu kämen die Belastungen durch die Inflation.
Nach Abzug des Pflegeversicherungsbeitrags wäre nur eine Rentenerhöhung von 0,2 Prozent bei einer Inflationsrate von 3,1 Prozent herausgekommen. Demgegenüber waren in diesem Jahr hohe Tarifabschlüsse die Folge des wirtschaftlichen Wachstums.
Es sie politisch richtig und eine Frage der Gerechtigkeit, nicht der Mathematik, so die Regierungschefin. „Ein Faktor in der Rentenformel besagt: Weil die Jüngeren Altersvorsorge betreiben, darf auch die Rente nicht so stark wie das Lohnniveau steigen, weil der steigende Lohn für die Jüngeren nicht voll verfügbar ist. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und nicht der Mathematik. Da ich weiß, was Mathematik ist, habe ich gesagt, dass man immer streiten und fragen kann, ob das richtig ist“, so die Bundeskanzlerin.
Daher sei die Rentenerhöhung politisch vollkommen richtig. weil sie zeige: "Wir verlieren auch diese Generation nicht aus dem Blick", betonte Merkel.
"Ich halte nichts davon, Jung gegen Alt aufzuscheuchen. Wir können es schaffen, eine sich ändernde Gesellschaft menschlich zu gestalten", sagte die Kanzlerin beim Berliner Gespräch 2008 im ARD-Hauptstadtstudio, dass von Ereignissender PHOENIX live übertragen wurde.
Bundeskanzlerin Merkel forderte die deutsche Gesellschaft aber auch zu einer generationenübergreifenden Solidarität auf. Wichtig sei es, den Jüngeren Chancen zu eröffnen, sich privat und beruflich zu verwirklichen, ohne dabei die Bedürfnisse der älteren Generation aus dem Auge zu verlieren.
Notwendig sei es, die Erfahrungen und die Leistungskraft der älteren Generation auch für die Jüngeren zu nutzen. "Daran müssen wir alles setzen", wies Merkel auf Generationen übergreifendes Leben, Lernen und Arbeiten hin. "Wir sollten uns noch viel intensiver dem dritten Lebensabschnitt widmen." Beim Weg zur Rente müsse künftig "der Gedanke der Altersteilzeit noch intensiver gelebt werden".
Die ARD startete am Donnerstag, den 17.April 2008 die ARD-Themenwoche "Mehr Zeit zu leben - Chancen einer alternden Gesellschaft". zu den Chancen und Risiken des Demographischen Wandels in Deutschland und der Welt.
Vom 20. bis 26. April 2008 präsentiert die ARD ein breites, medienübergreifendes Programmangebot. Knapp 2000 Beiträge in Fernsehen, Radio und Internet widmen sich dem demografischen Wandel. In Spielfilmen, Talkshows, Features, aktuellen Magazinen oder Dokumentationen wird das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
Die komplette Rede der Bundeskanzlerin zur Eröffnung der ARD Themenwoche finden unsere User und Mitglieder auf der Homepage des Bundeskanzleramts.
Rede der Bundeskanzlerin Angel Merkel am 17. April 2008 anlässlich der Auftaktsveranstaltung der ARD Themenwoche zum Demographischen Wandel in Deutschland und Welt Mehr Zeit zu leben - Chancen einer alternden Gesellschaft im ARD Hauptstadtstudio
Link:
www.bundeskanzlerin.de/nn_4900/Content/DE/Rede/2008/04/2008-04-17-merkel-ard-themenwoche.html
Video der Berliner Gespräche 2008 mit der Rede der Bundeskanzlerin
Autor: Dr. Ingo Brauner
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